atelierblau in Worms

Kulturkonsum in den Zeiten der Corona

Besuch im – nach der Corona-Zwangspause – neu eröffneten Kunsthaus Worms. Im Vorfeld musste, problemlos per Mail bzw. Telefon, ein 30-minütiges Zeitfenster für die Besichtigung der aktuellen Ausstellung reserviert werden. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass man sich frei bewegen kann, ohne Abstandsregeln zu anderen Besuchern beachten zu müssen. Maskenpflicht gilt freilich dennoch.

Das Ehepaar Rettig begrüßt uns am Eingang. Das hat schon mal seine Tücken: „Wir kennen uns übrigens.“ – „Oh, könnten Sie doch bitte ein wenig zurücktreten und kurz die Maske lüften?“

Kunsthaus Worms
Kunsthaus Worms

Herr Rettig nimmt uns, seine Ausstellungsstücke erläuternd, heftig in Beschlag, und es entwickeln sich angeregte Diskussionen. Sie könnten sich entwickeln. Leider stellen wir fest, dass in solchen Situationen Schutzmasken doch arg hinderlich sind: Die Verständigung ist erschwert bzw. erfordert deutlichere Artikulation; Mimik, und damit feine Nuancierung der rhetorischen Tonalität, geht verloren; die Luft wird noch stickiger als sonst schon in Galerien; und die Brille beschlägt beim Erkunden von Feinheiten der Ausstellungsstücke. Beim Begehen der Räume muss dann auch noch ständig darauf geachtet werden, dass die Abstandsregeln zu den begleitenden Künstlern eingehalten werden können, und wir fragen uns schon ob nun der Knigge um entsprechende Vor-, Seit- und Rücktrittsregeln erweitert werden muss. Und die Uhr tickt – Timeboxing beim Ausstellungsbesuch ist durchaus noch ungewohnt.

Es fühlt sich anstrengender an als sonst, es mangelt an Leichtigkeit. So bleibt dann auch einiges ungesagt.

Dennoch – wenn das der Preis ist, den wir für die Pandemie bezahlen müssen, ist es ein erträglicher. Und wir werden noch bessere Lösungen für Masken, Abstandsregeln und Ausstellungskonzepte finden. Eben auch, weil Menschen wie die Rettigs kreativ nach Auswegen suchen und neue Wege gehen um Kultur wieder öffentlich zugänglich zu machen.

Die Ausstellung ist übrigens sehenswert. Drei Räume sind den Künstlern Horst Rettig (Installationen und Malerei), Ruth Bauermann (informelle Malerei) und Hans-Martin Donner (Pop Art Plastiken) gewidmet. Der vierte Raum stellt beeindruckende Werke aus dem atelierblau vor, also von geistig behinderten Menschen. Die Ausstellung wird am kommenden Wochenende wiederholt, danach wird das Konzept mit neuen Künstlern und anderen Werken aus dem atelierblau fortgeführt. Anmeldungen nimmt Herr Rettig zwischen 14 und 17 Uhr entgegen: 0152 53174121. Der Eintritt ist frei.

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